Das Maira-Tal liegt im Südpiemont, zwischen Frankreich (Grenze im Talschluss, auf dem Alpenhauptkamm) im Westen und der Poebene im Osten. Das Tal hat seinen Namen vom gleichnamigen Fluss, ist 45 Kilometer lang, relativ eng und wird von zwei hohen Wasserscheiden von den Nachbartälern getrennt.

Es entstand vor etwa 300 Millionen Jahren, als sich das urzeitliche Tethys-Meer zu schließen begann, und der ehemalige Meeresgrund an die Oberfläche kam, wie zahlreiche Fossilien beweisen. Es folgte der Zusammenstoß der beiden Kontinente Europa und Afrika, der dann für die Heraushebung (alpide Gebirgsbildung) des ehemaligen Meeresbodens verantwortlich war.

Diesen Teil der Erdgeschichte sieht man heute noch überall in der Landschaft: Die senkrechten Felswände der Rocca la Meja, die gefalteten Schichten der Gebirgsgruppen Punta Eco - Rocca Brancia, Cassorso und Bodoira-Monte Giordano und die Gardetta-Hochebene. Hier hat man 245 Millionen Jahre alte, versteinerte Fußabdrücke gefunden, die von einem TicinosuchusFerox stammen, einem Reptil aus dem Zeitalter der Trias. Es handelte sich dabei um eine Art Krokodil, das etwa 2 Meter lang wurde, sehr muskulös war, und einen sehr langen Schwanz hatte. Es lebte einst an den lauwarmen Ufern des verschwundenen Ozeans.

Geologisch sehr relevant ist die "RiservanaturaledeiCiciu del Villar" (Naturschutzgebiet der Ciciu von Villar). Hier befinden sich die sogenannten Ciciu (Felspuppen), das sind Steinformationen, welche die Form von Pilzen haben. Der Hut besteht aus einem harten Deckstein, und der Stiel aus sehr weichem Gesteinsmaterial. Diese "Pilze" stehen am Fuße des Monte San Bernardo, und sind auf einen Erossionsprozess zurückzuführen. Der Legende nach handelt es sich dabei jedoch um römische, versteinerte Soldaten. Dies geschah, um die Gefangennahme des San Costanzo zu verhindern.

Vom Gletscher breit ausgeschürft ist das Tal oberhalb von Acceglio. In Chiappera kann man die beiden Felstürme Rocca Provenzale und Torre Castello, sowie di Wasserfälle Stroppia bewundern. Beim Thema Wasser darf man das Naturschutzgebiet der Maira-Quellen nicht vergessen. Hier tritt reichlich Quellwasser in einer Mulde aus, wodurch viele Höhlen, die unter einem dichten Kiefernwald liegen, geschaffen wurden.

Aufgrund der besonderen geographischen Lage (hohe Gipfel, nahes Mittelmeer, nahe Poebene), und der zahlreichen Mikroklimata, die sich daraus ergeben, gibt es eine große Pflanzen- und Tiervielfalt.So trifft man hier zum Beispiel auf Tiere der asiatischen Steppe, wie Alpenschneehuhn, Schneehase,Bergfasan und Hermelin, es kommen aber auch die typisch alpinen Tierarten wie Gämsen und Murmeltiere vor, und am Himmel sieht man oft Bussarde kreisen.

Generell weist das Tal ein relativ mildes Klima auf, ist es doch durch seinen Ost-West Verlauf vor kalten Nordwinden geschützt.