Das Maira-Tal hat eine Geschichte, die vom Einfallsreichtum und der Zähigkeitder Menschen geprägt ist.

Im Maira-Tal unterwegs zu sein, bedeutet einen 4000 Jahre alten Kulturraum zu bereisen, und ein Volk kennen zu lernen, dass in seiner Geschichte durchziehende Heere, Warenverkehr, Reichtum, extreme Armut und Kriege erlebt hat. Die Verbindung zum nahen Frankreich ist immer sehr wichtig gewesen, und der Alpenhauptkamm war für Jahrhunderte keine Grenze für die Völker, sondern ein Bindeglied. Es gab Migrationen und einen Austausch von Waren, Sprache, Ideen und Trachten, was zur Herausbildung der okzitanischen Kultur geführt hat.Die im Tal verbliebenen Einwohner wollten diese Kultur nicht untergehen lassen. Ihre Erhaltung war dadurch möglich, dass einige kluge Leute erkannt haben, dass diese Bergwelt sich ideal für einen Nischentourismus eignet. Einen Tourismus, der Umwelt und Kultur achtet und bewahrt, und sich ideal für ein Tal eignet, dessen Bewohner in den letzten Jahrhunderten enorme Mühen auf sich genommen haben. Viele von ihnen verbrachten einen Teil des Jahres als Emigranten, um in den unterschiedlichsten Berufen zu arbeiten: zum Beispiel als Sardellenhändler, Haarsammler (für Perücken), Sattler, Teichwart, Fassmacher, Scherenschleifer etc.

Heute erlebt das Tal einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Es ist wieder etwas Glanz eingekehrt, und einige Traditionen leben wieder auf. Das Maira-Tal hat sich auch dem Tourismus geöffnet, einem verantwortungsbewussten, sozial- und umweltverträglichen Tourismus, der nie banal oder ein Massenphänomen ist.

Es gibt im Maira-Tal sehr viele Kunstwerke. Umherziehende Maler und Bildhauer sind oft eine Zeit lang in dieser Gegend geblieben, um ihr Verständnis des Göttlichen zu verewigen. Zahlreich sind Kapellen, Kirchen, Bildstöcke und Altäre im romanischen Stil, ein Stil der dem bäuerlichen Stil ähnelt, und der mit relativ einfachen technischen Mitteln auskommt. Malerei und Bildhauereisind ein weiteres Ausdrucksmittel der Bergbauernkultur, wobei sich hier biblische Geschichten mit Volksglauben mischen.